Freitag, 30. Januar 2009
Grenzüberschreitendes Geodatenprojekt für Sachsen und Tschechien
Ob im Hochwasserschutz, bei der Planung von Straßen- und Schienenwegen oder bei der Überwachung von Schutzgebieten - überall spielen digitale räumliche Daten, sogenannte Geodaten, eine wichtige Rolle. Bei grenzüberschreitenden Projekten stoßen Planer und Verwaltungen nicht selten auf Probleme, wenn Daten benachbarter Staaten nicht zueinander passen. Unter Federführung des
Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) der Technischen Universität Dresden startet jetzt in Sachsen und der Tschechischen Republik ein Projekt, das die gemeinsame Nutzung digitaler räumlicher Daten aus benachbarten Staaten erleichtern soll. Erste Projektergebnisse werden für 2011 erwartet, teilte das IÖR mit.
Die Nutzung und Bereitstellung von digitalen Geodaten in Deutschland ist durch vereinheitlichte Standards inzwischen weitgehend unproblematisch. Geodaten sind wichtige Informationsgrundlage für Raum- und Umweltplanungsprozesse, stimmen jedoch bei Nachbarstaaten oft nicht überein. "Das liegt an den unterschiedlichen geographischen Projektionen, Karteninhalten und Sprachen, welche die Vermessungsbehörden der Nachbarländer verwenden", erklärte Dr. Marco Neubert, Wissenschaftler im IÖR, das Problem.
Das IÖR will mit der
Landvermessungsbehörde Sachsen und der
Landesvermessungsbehörde Tschechiens Methoden entwickeln, die es allen Vermessungsbehörden ermöglicht, ihre Daten entlang von Staatsgrenze nahtlos passfähig und inhaltlich vergleichbar zu machen. "Diese Entwicklung erfolgt beispielhaft für den Grenzraum zwischen Sachsen und der Tschechischen Republik unter Verwendung der meistgenutzten Geobasisdaten der beiden Länder", erklärte Neubert, der das Vorhaben leitet.
Auch die Übertragbarkeit auf andere Grenzräume ist denkbar, teilte das IÖR mit. Insbesondere Planungsbehörden würden von den neuen Datengrundlagen profitieren. Der Öffentlichkeit sollen die neuen Datensätze im Ergebnis als webbasierte Karten zur Verfügung gestellt werden. Damit wäre eine wichtige Grundlage für die Erstellung grenzüberschreitender Geoinformationsnetzwerke geschaffen, die wiederum Basis für gemeinsame Planungs- und Monitoringaufgaben seien.
Das Projekt wird in Kooperation mit dem Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN) sowie dem Landesvermessungsamt der Tschechischen Republik bearbeitet. Es wird im Rahmen des EU-Förderprogramms Ziel 3/Cil 3 aus Mitteln des Fonds für regionale Entwicklung sowie durch den Freistaat Sachsen gefördert. Die Projektergebnisse dienen auch der Umsetzung der europäischen Richtlinie zur Datenvereinheitlichung (INSPIRE-Richtlinie: Infrastructure for Spatial Information in the European Community). Sie fordert die Schaffung grenzüberschreitend vergleichbarer und gemeinsam nutzbarer Geodaten. Zugleich liegt das Projekt auch im Interesse der
gdi.initiative.sachsen zum gemeinsamen Aufbau einer Geodateninfrastruktur im Freistaat Sachsen durch Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Seit 2008 ist das IÖR Mitglied der gdi.initiative.sachsen.
(Quelle: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung)